Verbindende Kommunikation

Gewaltfreie verbindende Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg

Von den tierischen Akteuren der GFK Giraffe und Schakal – manchmal wird der im deutschsprachigen Raum auch als Wolf benannt – haben viele vielleicht schon einmal gehört. Der Wolf steht stellvertretend für bissige, verletzende und damit trennende Kommunikation, die Giraffe mit ihrem großen Herzen – tatsächlich das Säugetier mit dem größten Herzen – steht für gewaltfreie, wertschätzende und verbindende Kommunikation. Ihr langer Hals schenkt ihr zudem Über- und Weitblick – beides hilfreich in der zwischenmenschlichen Kommunikation und bei drohendem Konflikt.  Das Fabelhafte wirkt womöglich etwas aus der Zeit gefallen, zur Erläuterung und Veranschaulichung können wir über die Vermenschlichung der hier stellvertretend platzierten Tiere vielleicht hinwegsehen.

Verbindende Kommunikation eine Methode und eine Haltung 

Die schon etwas ältere Methode, oft sogar als Haltung bezeichnet, hat zum Ziel, dass es freundlicher im Miteinander zugeht. Wir haben das Bedürfnis in Kontakt zu sein und uns verbunden zu fühlen.  Statt einer trennenden steht also die verbindende Kommunikation oder Sprache im Fokus. Als Haltung wird die GFK wohl auch bezeichnet, weil ihr als Menschenbild zugrund liegt, dass wir alle das Streben nach Bedürfniserfüllung teilen und auch alle etwas beitragen möchten.  Dennoch erleben wir eine Phase der Verrohung , die sich deutlich im Sprachgebrauch und der Kommunikation zeigt – und das nicht nur in den Sozialen Medien. So erfährt die GKF gerade eine Art Renaissance und ich meine ganz zurecht. Schauen wir uns an, was die GFK zu eine Form verbindender Kommunikation macht. 

Kernelemente

Rosenberg hatte herausgefunden, dass die meisten Konflikte nicht auf der Bedürfnis- sondern auf der Strategieeben stattfinden.  Wir streiten uns also nicht darum, dass wir ein Bedürfnis verspüren und erfüllen möchten, sondern darüber, welche Strategie das zu erreichen richtig oder falsch ist.  Auf der Bedürfnisebene fühlen wir uns schnell verbunden, denn wir alle haben meist sehr ähnliche Bedürfnisse:  Zugehörigkeit, Selbstbestimmung, Sicherheit, Entspannung… Kennen wir den Unterschied zwischen Bedürfnis und Strategie, gelingt es uns leichter die konfliktreiche Strategieebene zu verlassen und zum gemeinsamen Nenner der Bedürfnisse zurückzufinden. Und dort gibt es Platz und Raum für und in unseren Beziehungen.  Ist das jeweilige Bedürfnis benannt und verstanden, dann können auch die Strategien gleichberechtigt nebeneinander stehen und es wird freundlich, verbunden und vor allem friedlich. Wir haben ein tieferes Verständnis von uns und dem anderen erlangt. Bemerken Sie im Alltag, wann Sie auf der Bedürfnis- oder der Strategieebene argumentieren? 

Vier Schritte zur verbindenden Kommunikation 

Die GKF bietet im Giraffen Modus vier Schritte an, die eine verbindende Kommunikation schafft, die wiederum in geglückte Beziehungen mündet.

  1. Worum geht es – Beobachtung der Situation keine Bewertung

    Meist fliesst uns bereits in der Beschreibung einer Situation oder Frage eine Bewertung ein.  Es braucht schon ein hohes Mass an Achtsamkeit um in der reinen Beobachterrolle oder beim Kamerablick zu bleiben.

  2. Wie geht es mir – Gefühle benennen keine Gedanken

    “Bleib mal sachlich!”  im ersten Schritt ist Sachlichkeit gefragt, aber im zweiten Schritt  genau das Gegenteil. Sachlichkeit steht der Aufforderung ein Gefühl zu äussern diametral entgegen, darin liegt die erste Schwierigkeit.  Auf die Schritte und deren Reihenfolge kommt es an – darin liegt die zweite Schwierigkeit. Und wie äussere ich eigentlich ein Gefühl im Giraffen Modus?

  3. Was brauche ich gerade – Bedürfnisse äussern keine Strategien

    Hier wird es noch herausfordernder.  In einer Konfliktsituation gefragt was sie jetzt brauchen, antwortet die Mehrheit der Menschen mit einer Strategie, nicht mit einem Bedürfnis.  Also damit was sie tun oder lassen würden, oft was sie vom anderen möchten (Strategie), aber nicht wofür (Bedürfnis). Es geht also noch tiefer ans Eingemachte.

  4. Was wünsche ich mir (von dir) – Bitten stellen keine Forderung

    Haben wir Schritt 1-3 erfolgreich gemeistert kommt noch eine Herausforderung. Eine Bitte an den anderen zu richten, fällt nicht jedem Menschen leicht. Eine Bitte enthält auch keine Bedingungen. Menschen haben das Bedürfnis beizutragen und zu helfen und eine Bitte muss dennoch nicht erfüllt werden.  Wie also äussern wir eine Bitte im Rahmen der verbindenden Kommunikation? Liest sich vielleicht  alles  klar und schlüssig und kann doch an vielen Stellen schwer umzusetzen oder zu akzeptieren sein.

Verbindende Kommunikation im Coaching  

Wie bei jedem Konzept gibt es auch in der GFK ganz wunderbar geeignete Elemente für Themen die im Coaching auftauchen können.  Eine verbindende Kommunikation ist im Coaching sowieso unersetzliche Grundlage für einen vertrauensvollen Rahmen. Führungskräfte haben zurecht oft Schwierigkeiten in Mitarbeitergesprächen. Zurecht aus meiner Sicht deshalb, weil noch immer der Mythos der ewigen Verpflichtung zur Sachlichkeit mit Professionalität verwechselt wird.  Eines meiner Kernthemen im Coaching mit Chefs.  Im privaten Kontext ist es oft ein immer wiederkehrendes Streitgespräch um ein scheinbar unlösbares Thema. GFK ist dabei natürlich nur ein Baustein, der in Ihre Situation passen kann aber nicht muss.  Wie immer lausche ich ganz genau, worum es bei Ihrem Kommunikationsthema geht und entscheide dann individuell was wirksam sein könnte.  Denn letztlich geht es exakt darum.  Es soll für Ihr Anliegen stimmig und umsetzbar sein.

Zu guter Letzt komme ich noch mal auf die fabelhaften Tiere zurück – welches Murmeltier grüßt Sie denn täglich in der Kommunikation mit den Menschen in Ihrer Biografie?

 

Photo by Etienne Steenkamp on Unsplash

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